Die Third Space Theorie als konzeptueller Zugang zur Fremdsprachendidaktik: Über die Affordanzen von Boundary Broker und Spannungsfelder für eine nachhaltige Fremdsprachenlehrer*innenausbildung
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Rütti-Joy, O., & Biedermann, H. (2025, 25.-27. September). Die Third Space Theorie als konzeptueller Zugang zur Fremdsprachendidaktik: Über die Affordanzen von Boundary Broker und Spannungsfelder für eine nachhaltige Fremdsprachenlehrer*innenausbildung [Konferenzbeitrag]. 31. Kongress für Fremdsprachendidaktik der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung (DGFF), Kassel.
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Topic PHSG
Sprachliche und literarische Bildung
Fields of Science and Technology (OECD)
Humanities::Languages and Literature
Abstract
Dieser konzeptuelle Beitrag erörtert, wie die Third Space Theorie (Bhabha, 1994) als theoretischer Zugang genutzt werden kann, um die Fremdsprachendidaktik zu konzeptualisieren und die komplexen Rollen und erforderten Kompetenzen von Fremdsprachendidaktiker*innen theoretisch weiterzudenken. Die Fremdsprachendidaktik verknüpft Unterrichtsinhalte mit den Lernenden und Lehrenden und stellt vielfältige Beziehungen her zum Praxisfeld sowie zu verschiedenen Gegenstandsbereichen und Bezugsdisziplinen (Leuders, 2015). Daraus entsteht ein dynamischer Wissens- und Diskurs-Zwischenraum (Prusse, 2022). Dieser Zwischenraum umfasst ein konstantes Zusammenspiel zwischen Differenz und Gleichheit und mündet in einer Reihe von Spannungsfeldern (Leuders, 2015), die es im Kontext der Fremdsprachenlehrkräftebildung zu bearbeiten gilt. Die Aufgabe, erfolgreich durch diese Spannungsfelder zu navigieren schlägt sich in den vielfachen und teils ambivalenten Rollen sowie erforderten Kompetenzen von Fremdsprachendidaktiker*innen nieder. Diese sind bisher wenig erforscht (Studer, 2015).
Über die Third Space Theorie als theoretischer Begründungsrahmen nähert sich dieser Beitrag dieser Lücke an. Gemäss Bhabha (1994) beschreibt der Third Space einen liminalen Zwischenraum, in dem die erkenntnistheoretischen Rahmen zweier oder mehrerer Kulturen aufeinandertreffen und rigide Kategorien und Dichotomisierungen neu konfiguriert werden. Dadurch entsteht eine «dritte» Kultur, in welcher das (Er)Leben von neuen, hybriden Identitäten durch die konstruktive Bearbeitung der ihr inhärenten Spannungsfelder möglich wird (Bhabha, 1994).
Dieser Beitrag theoretisiert die Fremdsprachendidaktik als Third Space, um die komplexen Aushandlungsprozesse innerhalb der Fremdsprachendidaktik und die Entstehung neuer, hybrider Wissensräume zu verstehen, die Herausforderungen, Spannungen und dynamischen Interaktionen zwischen teils konkurrierenden Systemlogiken konstruktiv zu nutzen, sowie diese als produktive Ressource für ihre nachhaltige Weiterentwicklung zu begreifen. Davon abgeleitet differenziert der Beitrag die vielfältigen Rollen von Fremdsprachendidaktiker*innen aus, wobei der Fokus auf der thesenartig-argumentativen Nachzeichnung der Rolle des Brokers (Lunenberg et al., 2014; Willegems et al., 2016) und, spezifisch, jener des „Boundary Brokers“ (Jackson & Burch, 2019) liegt. Durch kontinuierliche Schwellenarbeit bzw. „Thirding“ (Soja, 1996) integrieren Boundary Broker die unterschiedlichen, im Fremdsprachendidaktik-Third-Space aufeinandertreffenden Systemlogiken, bearbeiten dabei aktiv die Spannungen zwischen akademischer Forschung, Politik und Praxis und leisten dadurch einen wertvollen Beitrag zur konstruktiven Zusammenarbeit über starre Grenzen hinweg sowie zur Entwicklung innovativer und nachhaltiger Lösungen. Möglichkeiten einer Erweiterung des doppelten Kompetenzprofils von Fremdsprachendidaktiker*innen um einen „Thirding“-Kompetenzbereich (Soja, 1996) werden nachfolgend aufgezeigt. Ihr Potenzial zur Weiterentwicklung einer nachhaltigen Fremdsprachendidaktik und des Verständnisses professioneller Kompetenz von Fremdsprachendidaktiker*innen schliessen diesen Beitrag ab.
Über die Third Space Theorie als theoretischer Begründungsrahmen nähert sich dieser Beitrag dieser Lücke an. Gemäss Bhabha (1994) beschreibt der Third Space einen liminalen Zwischenraum, in dem die erkenntnistheoretischen Rahmen zweier oder mehrerer Kulturen aufeinandertreffen und rigide Kategorien und Dichotomisierungen neu konfiguriert werden. Dadurch entsteht eine «dritte» Kultur, in welcher das (Er)Leben von neuen, hybriden Identitäten durch die konstruktive Bearbeitung der ihr inhärenten Spannungsfelder möglich wird (Bhabha, 1994).
Dieser Beitrag theoretisiert die Fremdsprachendidaktik als Third Space, um die komplexen Aushandlungsprozesse innerhalb der Fremdsprachendidaktik und die Entstehung neuer, hybrider Wissensräume zu verstehen, die Herausforderungen, Spannungen und dynamischen Interaktionen zwischen teils konkurrierenden Systemlogiken konstruktiv zu nutzen, sowie diese als produktive Ressource für ihre nachhaltige Weiterentwicklung zu begreifen. Davon abgeleitet differenziert der Beitrag die vielfältigen Rollen von Fremdsprachendidaktiker*innen aus, wobei der Fokus auf der thesenartig-argumentativen Nachzeichnung der Rolle des Brokers (Lunenberg et al., 2014; Willegems et al., 2016) und, spezifisch, jener des „Boundary Brokers“ (Jackson & Burch, 2019) liegt. Durch kontinuierliche Schwellenarbeit bzw. „Thirding“ (Soja, 1996) integrieren Boundary Broker die unterschiedlichen, im Fremdsprachendidaktik-Third-Space aufeinandertreffenden Systemlogiken, bearbeiten dabei aktiv die Spannungen zwischen akademischer Forschung, Politik und Praxis und leisten dadurch einen wertvollen Beitrag zur konstruktiven Zusammenarbeit über starre Grenzen hinweg sowie zur Entwicklung innovativer und nachhaltiger Lösungen. Möglichkeiten einer Erweiterung des doppelten Kompetenzprofils von Fremdsprachendidaktiker*innen um einen „Thirding“-Kompetenzbereich (Soja, 1996) werden nachfolgend aufgezeigt. Ihr Potenzial zur Weiterentwicklung einer nachhaltigen Fremdsprachendidaktik und des Verständnisses professioneller Kompetenz von Fremdsprachendidaktiker*innen schliessen diesen Beitrag ab.
| Name of the event | Conference Host | Place of the event | Start date of the event | End date of the event |
31. Kongress für Fremdsprachendidaktik der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung (DGFF) | Universität Kassel | Kassel | September 25, 2025 | September 27, 2025 |
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