Die Fachdidaktiken als Third Space: Über Spannungsfelder, mehrfache Kompetenzprofile und Boundary Broker in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung
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Rütti-Joy, O., & Biedermann, H. (2025, 02.-04. Juli). Die Fachdidaktiken als Third Space: Über Spannungsfelder, mehrfache Kompetenzprofile und Boundary Broker in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung.[Konferenzpräsentation]. SGBF SGL Jahreskongress 2025, Luzern.
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Topic PHSG
Schule und Profession
Fields of Science and Technology (OECD)
Social sciences::Educational sciences
Abstract
Der vorliegende konzeptuelle Beitrag erörtert, wie die Third Space Theorie (Bhabha, 1994; Tatham, 2023) als theoretischer Zugang genutzt werden kann, um einerseits die Fachdidaktiken aus einer neuen Perspektive zu konzeptualisieren und andererseits die komplexen Rollen und erforderten Kompetenzen von Fachdidaktiker*innen in ihrer Tätigkeit als Lehrpersonenbildende theoretisch und im Sinne eines mehrfachen Kompetenzprofils weiterzudenken. Die Fachdidaktiken verknüpfen Unterrichtsinhalte mit den Lernenden und Lehrenden (swissuniversities, 2015) und stellen vielfältige interdisziplinäre Beziehungen her zum Praxisfeld sowie zu verschiedenen relevanten Gegenstandsbereichen und Bezugsdisziplinen (Leuders, 2015). Daraus entsteht ein dynamischer Wissens- und Diskursraum (Prusse, 2022) «zwischen den Stühlen», über welchen sie sich einerseits konstituieren und andererseits hinweg erstrecken (Bonati et al., 1991). Dieser dynamische Zwischenraum umfasst ein konstantes intersektionales Zusammenspiel zwischen Differenz und Gleichheit und mündet in einer Reihe von Spannungsfeldern (Leuders, 2015), die es im Kontext der Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu bearbeiten gilt. Die Aufgabe, erfolgreich durch diese Spannungsfelder zu navigieren schlägt sich in den vielfachen, komplexen und teils ambivalenten Rollen sowie erforderten Kompetenzen von Lehrpersonenbildenden und spezifisch von Fachdidaktiker*innen nieder (Diamond et al., 2021; Lunenberg et al., 2014). Insbesondere letztere sind bisher wenig erforscht (Studer, 2015).
Um sich dieser Lücke konzeptuell anzunähern soll die Third Space Theorie als theoretischer Erklär- und Begründungsrahmen dienen (Bhabha, 1990, 1994). Gemäss Bhabha (1994) beschreibt der Third Space einen transgressiven und liminalen Zwischenraum, in dem die erkenntnistheoretischen Rahmen zweier oder mehrerer Kulturen aufeinandertreffen (Fraefel, 2018) und rigide Kategorien und Dichotomisierungen aufgebrochen sowie in wiederholender Aushandlung von Bedeutung neu konfiguriert werden (Bhabha, 1994; Diamond et al., 2021; Zeichner, 2010). Durch diese transformative Neukonfiguration entsteht eine «dritte» Kultur, in welcher das (Er)Leben von neuen, hybriden Identitäten durch die konstruktive und kontinuierliche Bearbeitung der ihr inhärenten Spannungsfelder möglich wird (Bhabha, 1994).
Der vorliegende konzeptuelle Beitrag überträgt diesen Ansatz auf den Kontext der Lehrerinnen- und Lehrerbildung und theoretisiert die Fachdidaktiken als Third Space. Er stellt eine Annäherung daran dar, die komplexen Aushandlungsprozesse innerhalb der Fachdidaktiken und die Entstehung neuer, hybrider Wissensräume zu verstehen, die Herausforderungen, Spannungen und dynamischen Interaktionen zwischen zahlreichen und teils konkurrierenden Systemlogiken konstruktiv zu nutzen, sowie diese als produktive Ressource für ihre Weiterentwicklung zu begreifen. Davon abgeleitet differenziert der Beitrag die vielfältigen und teils ambivalenten Rollen von Lehrpersonenbildenden am Beispiel der Fachdidaktiker*innen aus, wobei der Fokus auf der thesenartig-argumentativen Nachzeichnung der Rolle des Brokers (Lunenberg et al., 2014; Willegems et al., 2016) und, spezifisch, jener des „Boundary Brokers“ (Jackson & Burch, 2019) liegt. Durch kontinuierliche Schwellenarbeit oder sogenanntes „Brokering“ (Jackson & Burch, 2019) oder „Thirding“ (Soja, 1996) integrieren Boundary Broker die unterschiedlichen, im Fachdidaktiken-Third-Space aufeinandertreffenden Systemlogiken, bearbeiten dabei aktiv die Spannungen zwischen akademischer Forschung, Politik und Praxis und leisten dadurch einen wertvollen Beitrag zur konstruktiven Zusammenarbeit über starre Grenzen hinweg sowie zur Entwicklung innovativer Lösungen. Anhand des Beispiels der Fremdsprachendidaktik, wo die Third Space Theorie beispielsweise eine Neubewertung traditioneller Dichotomien wie jener zwischen Muttersprachler*innen und Nicht-Muttersprachler*innen die Förderung eines inklusiveren Fremdsprachenunterrichts zu ermöglichen vermag (Kramsch, 2009), wird die Rolle des Boundary Brokers veranschaulicht. Möglichkeiten einer Erweiterung des doppelten Kompetenzprofils von Lehrpersonenbildenden und spezifisch von Fachdidaktiker*innen um einen „Thirding“-Kompetenzbereich (Soja, 1996) werden nachfolgend aufgezeigt. Ihr Potenzial zur Weiterentwicklung der Fachdidaktiken (Akkerman & Bakker, 2011) und des Verständnisses professioneller Kompetenz von Fachdidaktiker*innen schliessen diesen Beitrag ab.
Um sich dieser Lücke konzeptuell anzunähern soll die Third Space Theorie als theoretischer Erklär- und Begründungsrahmen dienen (Bhabha, 1990, 1994). Gemäss Bhabha (1994) beschreibt der Third Space einen transgressiven und liminalen Zwischenraum, in dem die erkenntnistheoretischen Rahmen zweier oder mehrerer Kulturen aufeinandertreffen (Fraefel, 2018) und rigide Kategorien und Dichotomisierungen aufgebrochen sowie in wiederholender Aushandlung von Bedeutung neu konfiguriert werden (Bhabha, 1994; Diamond et al., 2021; Zeichner, 2010). Durch diese transformative Neukonfiguration entsteht eine «dritte» Kultur, in welcher das (Er)Leben von neuen, hybriden Identitäten durch die konstruktive und kontinuierliche Bearbeitung der ihr inhärenten Spannungsfelder möglich wird (Bhabha, 1994).
Der vorliegende konzeptuelle Beitrag überträgt diesen Ansatz auf den Kontext der Lehrerinnen- und Lehrerbildung und theoretisiert die Fachdidaktiken als Third Space. Er stellt eine Annäherung daran dar, die komplexen Aushandlungsprozesse innerhalb der Fachdidaktiken und die Entstehung neuer, hybrider Wissensräume zu verstehen, die Herausforderungen, Spannungen und dynamischen Interaktionen zwischen zahlreichen und teils konkurrierenden Systemlogiken konstruktiv zu nutzen, sowie diese als produktive Ressource für ihre Weiterentwicklung zu begreifen. Davon abgeleitet differenziert der Beitrag die vielfältigen und teils ambivalenten Rollen von Lehrpersonenbildenden am Beispiel der Fachdidaktiker*innen aus, wobei der Fokus auf der thesenartig-argumentativen Nachzeichnung der Rolle des Brokers (Lunenberg et al., 2014; Willegems et al., 2016) und, spezifisch, jener des „Boundary Brokers“ (Jackson & Burch, 2019) liegt. Durch kontinuierliche Schwellenarbeit oder sogenanntes „Brokering“ (Jackson & Burch, 2019) oder „Thirding“ (Soja, 1996) integrieren Boundary Broker die unterschiedlichen, im Fachdidaktiken-Third-Space aufeinandertreffenden Systemlogiken, bearbeiten dabei aktiv die Spannungen zwischen akademischer Forschung, Politik und Praxis und leisten dadurch einen wertvollen Beitrag zur konstruktiven Zusammenarbeit über starre Grenzen hinweg sowie zur Entwicklung innovativer Lösungen. Anhand des Beispiels der Fremdsprachendidaktik, wo die Third Space Theorie beispielsweise eine Neubewertung traditioneller Dichotomien wie jener zwischen Muttersprachler*innen und Nicht-Muttersprachler*innen die Förderung eines inklusiveren Fremdsprachenunterrichts zu ermöglichen vermag (Kramsch, 2009), wird die Rolle des Boundary Brokers veranschaulicht. Möglichkeiten einer Erweiterung des doppelten Kompetenzprofils von Lehrpersonenbildenden und spezifisch von Fachdidaktiker*innen um einen „Thirding“-Kompetenzbereich (Soja, 1996) werden nachfolgend aufgezeigt. Ihr Potenzial zur Weiterentwicklung der Fachdidaktiken (Akkerman & Bakker, 2011) und des Verständnisses professioneller Kompetenz von Fachdidaktiker*innen schliessen diesen Beitrag ab.
| Name of the event | Conference Host | Place of the event | Start date of the event | End date of the event |
SGBF SGL Jahreskongress 2025 | Pädagogische Hochschule Luzern | Luzern | July 2, 2025 | July 4, 2025 |
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